Beruflich
Manchmal denke ich darüber nach mein Studium abzubrechen. Nicht weil ich damit überfordert bin, oder es mir keinen Spaß macht, sondern weil ich einfach keine Zukunft für mich sehe (nicht nur beruflich).
Vom Stoff her ist es kein Problem für mich, und ich würde mich als Spitzenkraft einschätzen. Ich habe gute Noten (1.x), weiß wovon ich rede und was ich mache. Ich habe jedoch so gut wie keine Softskills, komme nicht gut mit anderen Menschen aus und habe kein Privatleben. So etwas fällt in einem Vorstellungsgespräch, spätestens in der Probezeit auf.
Selbst wenn das für den ein oder anderen Arbeitgeber kein Problem wäre, ist mein Wunschberuf in westlichen Ländern so gut wie am aussterben. Er wird immer mehr nach nach Indien, Thailand, China, usw. ausgelagert, um Kosten zu sparen.
Ich werde nie etwas bedeutendes im Leben leisten, nicht das es eine Rolle spielen würde wenn ich es tun würde (aufs Universum betrachtet sind wir Menschen nur ein Krümel Dreck auf einem Sandkorn eines riesigen nicht enden wollenden Strandes, dessen Lebenszeit dem Bruchteil des Lebens einer Eintagsfliege entspricht), aber oft wünschte ich ich würde.
Finanziell
Ich habe zwar ein bisschen Geld gespart, aber viel ist es nicht (5.000 - 10.000 €) um davon lange Leben zu können. Ich kann nicht ewig vom Geld meiner Eltern und von sozialen Zuwendungen (BAföG) leben, das möchte ich auch nicht.
Meine Eltern sterben irgendwann und hinterlassen mir und meinem Bruder das Haus, das wir vermutlich nicht mal verkauft bekommen werden (100.000 - 150.000 €). Ein paar Jahre dürfte ich damit (~43%) wohl über die Runden kommen, und was dann?
BAföG bekomme ich nur solange ich studiere, was auch nicht mehr all zu lange dauert, auch wenn ich noch ein zweites Studium (Master) machen würde, bliebe es fraglich, ob ich das auch finanziert bekäme. Danach erhielte ich kein Arbeitslosengeld, da ich noch nie gearbeitet habe, sondern Hartz IV.
Warum leben wir in einer Welt in der man Geld braucht für ein Dach über den Kopf und etwas zu Essen und zu Trinken? Wozu brauchen wir überhaupt Geld, statt alles unentgeltlich unseren Mitmenschen anzubieten? Letzendlich ist Geld auch nur Heuchelei von Gerechtigkeit um andere (Länder/Völker/Klassen/Rassen) auszubeuten (Zinsen).
Wieviel ich mal verdienen werde ist mir egal, solange ich den Beruf bekomme den ich mir wünsche, ich spaß dran habe, andere Menschen damit glücklich machen kann, alle meine Rechnungen bezahlen kann und genug Freizeit für eine eventuelle Familie hätte. Ich brauche kein luxeriöses Leben, und groß Besitztümer anhäufen will ich auch nicht.
Freundschaftlich
Da ich sehr schlecht darin bin Kontakte zu knüpfen und zu halten, und bisher keine Freunde habe, habe ich keinen Grund anzunehmen, dass sich daran etwas ändern könnte. Mit Glück entwickeln sich später mal freundliche Bekanntschaften zu Arbeitskollegen oder Nachbarn, aber nichts wirklich freundschaftliches.
Auch in bereich von Onlinekontakten sah es schon einmal besser aus bei mir. Als ich noch MMORPGs (WoW u.a.) spielte gab es ein paar Personen mit denen ich mich häufig unterhalten konnte, aber nie wirklich tiefgründig. Vielleicht ändert sich in der Hinsicht etwas bei mir wenn ich “The old Republic” spielen werde, aber an eine wirkliche Freundschaft, die sich auch aufs reale Leben ausweitet glaube ich dabei nicht.
Liebe
Selbst wenn ich noch einen Menschen kennenlernen sollte, in den ich mich verlieben könnte, warum sollte er mich lieben?
Was habe ich schon zu bieten? Ich bin weder hübsch noch sexuell attraktiv. Ich habe jede Menge undiagnostizierte psychische Probleme, für die es für die meisten vermutlich nicht mal einen Namen gibt. Weder beruflich noch finanziell habe noch werde ich jemals viel zu bieten haben. In meiner Freizeitgestalltung bin ich langweiliger als ein Stein, den man wenigstens noch aufs Wasser werfen kann, und der dann Wellen schlägt.
Das einzige was ich zu bieten hätte wäre Liebe, Ehrlichkeit und Treue, aber wem reicht so etwas heutzutage schon?
Ich bin so unentschlossen, ängstlich und schüchtern, das es schon ein Wunder wäre jemanden für eine einzige Nacht zu finden.
Ausweg
Aber was kann ich tun? Ich könnte mein Studium abbrechen, aber was dann? Ich habe schon kein Privatleben, und ohne berufliche Zukunft was bleibt mir dann noch? Ich fühle mich überfordert und Alternativlos. Es ist das einzige Pferd auf das ich wette, alle anderen Möglichkeiten scheinen für mich schon abgefahren. Wenn ich mit dem Studium scheitere bleibt mir nichts.
Manchmal stelle ich mir vor einfach davonzulaufen. Einfach all meinen Besitz zu lassen wo er ist, auf meine Familie und mein Studium zu scheißen, und einfach zu gehen. Ich weiß nicht wohin, nur einfach gehen, mir ein paar Sachen zum Anziehen, und etwas Taschengeld mitnehmen, und raus in die Wildnis gehen, und von Tag zu Tag zu Leben. Mir irgendwo ein Stück Natur suchen, in dem ich alleine Leben kann ohne andere Menschen die mich stören, oder von denen ich abhängig bin. Mir meine Nahrung selbst anpflanzen, und mir eine eigene Unterkunft im Wald bauen. Aber wo ist so etwas schon möglich? Es gibts kein Stück Land, das nicht irgendwem gehört, selbst wenn ich ein Stück Land kaufen würde, irgendein Staat würde immer noch anspruch darauf erheben, und mich zwingen deren Gesetze zu befolgen und derenn Steuern zu bezahlen.
Und so wirklich wollen tue ich das auch nicht. Wer will schon wirklich alleine Leben? Ohne andere Menschen wären wir nichts. Wir wären nur ein Haufen Affen ohne Häuser, ohne Werkzeuge, ohne Bücher, ohne Kultur, ohne Sprache und folglich ohne die Fähigkeit klare Gedanken fassen zu können. Das Leben wird erst zu etwas durch die Interaktion mit anderen Menschen.