Platz wegnehmen
Ich gehe in keine Bars oder Clubs, auch zu keinen Partys wie z.B. zu Studentenpartys zu denen ich ab und zu automatisch per E-Mail eingeladen werde. Ich kenne dort niemanden und habe auch keine Freunde die mit mir weggehen könnten. Würde ich dort hingehen würde mich dort niemand kennen, ich wäre alleine und würde mit niemanden sprechen, denn ich hätte das Gefühl das mich niemand dort haben will, ich unerwünscht bin.
Ich gehe auch so nicht gerne raus, denn ich würde anderen Personen Platz wegnehmen. Wenn ich im Bus oder der Bahn bin belege ich einen Sitzplatz oder stehe und versperre/behindere anderen den Durchgang. Selbst in einem Park oder Wald würde Ich Platz einnehmen, sei es nun auf der Parkbank auf der ich sitze oder dem Fleck Wiese auf dem niemand anderes zur gleichen Zeit sein kann. Es mag zwar genug Platz selbst mit mir dort sein, aber es würde sie beeinflussen, sie müssten mir auf dem Weg ausweichen um nicht mit mir zusammenzustoßen oder woanders sitzen statt dort wo sie eigentlich lieber wären. Ich störe Menschen durch meine bloße Anwesenheit, und durch mein häßliches Aussehen oder meinen depressiven, traurigen Blick kränke ich sie vermutlich zusätzlich noch.
Am Freitag war eine Familienfeier, zu der ich nicht gegangen bin mit der Begründung “keine Lust”. Keine Lust darauf von jedem gefragt zu werden wann mein Studium vorbei ist und was ich danach machen werde. Keine Lust auf die Gespräche über die schwangere Freundin meines Bruders, und wann es bei mir denn mal so weit mit Nachwuchs wäre - selbstverständlich niemals, ohne [Partner/Partnerin]. Meine Mutter sagte mir danach das jeder mich vermisst und nach mir gefragt hätte. Ich galube ihr nicht. Nicht dass sie das nicht alle gesagt hätten, weil es gesellschaftliche Norm ist so etwas zu sagen und es von ihnen erwartet wird. Ich glaube nur nicht das irgendjemand länger als fünf Sekunden ein Gefühl verspürte das “vermissen” in einer entfernten Art und Weise irgendwie ähnlich sein könnte.
Durch meine bloße Existenz schade ich anderen. Das fängt schon bei meinen Eltern an, bei denen ich wohne, die mir Nahrung, Wasser, Strom, Heizung und Internet bezahlen. Für jede Mahlzeit die ich zu mir nehme haben andere Menschen gearbeitet, haben Tiere gelitten und ihr Leben gelassen. Jeder Tropfen sauberes Trinkwasser den ich verbrauche muss wieder aufbereitet werden, und wäre in Ländern wie Uganda, Somalia oder Nigeria viel sinnvoller aufgehoben. Mit jedem Atemzug den ich tätige verbrauche ich Sauerstoff und stoße CO2 aus, den Lebewesen die wir Pflanzen nennen mittels Photosynthese wieder zurückwandeln müssen.
Mein Leben ist wertlos - könnte man es quantitativ messen, hätte es einen negativen Wert, weil ich der Gesellschaft mehr koste als nutze. Es gibt so viele Lebewesen die es viel mehr verdient haben zu Leben als ich - Lebewesen die Leben wollen, aber nicht das “Glück” dazu hatten/haben.
